Dienstag, 29. September 2009

Reeperbahnfestival 09 - Tag Drei

Samstag begaben wir uns bereits sehr frühzeitig Richtung Kiez. Wir wollten nicht nur rechtzeitig um halb acht für The Cinematics im Docks sein, sondern vorher noch in Schmidt’s Theater zum Meet&Greet with Ray. Klingt ein wenig cheesy, war aber eine richtig nette Veranstaltung. Ray Cokes, bekannt aus frühen MTV Europe Zeiten, begrüßte auf der Bühne des Theaters in relativ intimer Atmosphäre einige der Künstler, die an diesem Abend auftreten sollten. Heute mit dabei: Dear Reader, Hellsongs, Animal Kingdom, Fight Like Apes sowie Heidi Happy. Jeder Künstler darf ein bis zwei Akustik-Songs darbieten und anschließend zum Smalltalk auf die Couch, dazu gibt’s immer gleich ein Paar Drinks. Ein guter Vorgeschmack auf den Abend, zumal wir einige der Bands noch einmal sehen sollten.

Nun ging es aber richtig los, und zwar mit The Cinematics im Docks. Die Musik dieser wunderbaren Band klingt ein wenig düster, zu ihren Inspirationen gehören sicherlich Joy Division. Gleichzeitig ist das ganze jedoch sehr tanzbar. Seltsam, dass The Cinematics so früh auf die Bühne geschickt und somit etwas unter Wert verkauft wurden. Allerdings war durchaus schon ein zahlreiches Publikum da, um die vier zu bejubeln.

Der Versuch, im Molotow das Ende des Sets der Fight Like Apes anzusehen scheiterte am großen Andrang, sodass wir gemütlich im Vorraum bei einem Bierchen der Musik lauschten und alsbald in die Große Freiheit 36 weiter zogen, wo der Auftritt von Jupiter Jones bevorstand. Es handelt sich dabei um eine Deutsch-Pop-Rock Band aus der Eiffel, deren Musik was von KettCar hat, mit weniger geistreichen Texten und mit einem kleinen Einschlag Tote Hosen. Teilweise ist man jedoch auch hart an der Grenze zu JuliSilbermond. Man kann sich gut vorstellen, wie sich junge Männer aus der Provinz zum Gesang von Nicholas Müller bierselig in den Armen liegen.

Nun trennten sich unsere Wege. Während Rémi seiner beim Hurricane Festival entdeckte Liebe zu Asteroids Galaxy Tour im Knust fröhnte, begab ich mich zurück ins Docks. Angesichts der Schlange fürchtete ich, es nicht mehr in das Konzert von Friska Viljor zu schaffen, doch die fröhlichen Schweden begannen gerade zu spielen, als ich die volle Halle betrat. Kaum zu glauben, dass ich die Band vor drei Jahren noch im Vorprogramm von Eagle*Seagull vor recht spärlichem Publikum im Karlsruher Substage gesehen hatte. Friska Viljor folgen noch immer demselben Rezept und spielen lustige melodische Trinklieder für Indie-Kids, wobei gerne ins Falsett gewechselt wird. Ein Spaß ist das allemal. Ich bin gespannt auf das im Oktober erscheinende dritte Album, denn die Stücke, die daraus dargeboten wurde waren eher der ruhigeren Art.

Ich wechselte schnell hinüber ins Molotow zur Band, die für mich persönlich die Entdeckung des Festivals sein sollte: Animal Kingdom. Ray Cokes hatte die vier Bilderbuch-Indiejungs in seiner Show (s.o.) mit Radiohead und Coldplay (als diese noch gut waren) verglichen. Das mag vielleicht noch ein wenig hoch gegriffen sein, doch die recht weibliche Gesangsstimme von Richard Sauberlich erinnert tatsächlich ein wenig an Thom Yorke. Die Musik ist jedenfalls wunderschön, das gerade erschienene Album Signs and Wonders wird es sicherlich auf die Jahresbestenlisten schaffen. Die Band war erstmals in Deutschland und hocherfreut, dass sie so gut beim Publikum ankamen. Ich hoffe, dass sie bald wieder nach Hamburg kommen.

Den Abschluss unseres heutigen Programms bildeten alte Bekannte, Dear Reader aus Südafrika. Ich sah diese sehr liebenswerte band bereits zum dritten Mal in diesem Jahr und es ist jedes Mal ein schönes Erlebnis. Man kann geradezu verfolgen, wie Dear Reader an Routine und Erfahrung auf Europas Bühnen gewinnt. Cherilyn MacNeil wickelt das Publikum noch immer mit ihrem Charme, ihrer folkig-innovativen Musik und ihren Texten um den Finger. Heute wurde die Band verstärkt durch ihren Produzenten Brent Knopf. Der Menomena-Gitarrist begleitet mit seinem Nebenprojekt Ramona Falls seine Schützlinge von Dear Reader auf Europatour. Ganz beseelt verließen wir das Grünspan und konnten nach drei Festivaltagen nicht mehr die Energie aufbringen, um noch irgendwo feiern zu gehen.

Samstag, 26. September 2009

Reeperbahnfestival 09 - Tag Zwei

Am Freitagabend ging es mit Auletta los, einer jungen Band aus Mainz. Die Jungs sahen aus wie aus dem Indie-Klischee Katalog, Röhrenjeans inklusive. Musikalisch ist Auletta eine Mischung aus den Kaiser Chiefs, den Wombats und Madsen, jedoch mit deutschen Texten. Erstaunlich war, dass sie es schafften, das doch recht große Docks ziemlich gut zu füllen. Das relativ junge Publikum war denn auch begeistert und es bildete sich sogar ein kleiner Pogo-Pit.

Da ich noch das Ende des Auftritts der Broken Records sehen wollte hörte ich mir die Zugabe nicht an und flitzte in die O2 World on Tour. Die Halle ist genau so, wie der Name klingt – ein Kommerz-Tempel. Irgendwie wirkt aufgrund der weißen Stühle und der Helligkeit alles sehr steril. Einziger Vorteil: Das Freigetränk für O2 Kunden. Die Broken Records spielten eigentlich ein super Set, aber auf Grund der unpassenden Halle kam nicht wirklich Stimmung auf. Pierre hatte sich das Konzert komplett angesehen und war von der Musik ebenso begeistert – Indie-Folk-Rock in der Schnittmenge zwischen Arcade Fire, den Frames und Okkervil River. Bleibt die Hoffnung, dass Broken Records noch einmal zu einem richtigen Clubkonzert nach Hamburg kommen.

Danach zogen wir weiter ins Knust, wo Eagle*Seagull Solo unterwegs war. Solo bedeutet in dem Fall ein Mann mit Gitarre in Begleitung einer Dame an der Geige. Irgendwie war es aber dann doch zu ruhig, also langweilig, sodass wir recht schnell wieder gingen. Zurück in unsere geliebte O2 World on Tour. Hier spielte mittlerweile Niels Frevert, Hamburger Singer-Songwriter. Er passte mit seiner ruhigeren, doch auch pompösen Musik etwas besser in diese Sitzhalle und schaffte es trotz Streicherbegleitung nicht zu kitschig zu sein.

Weiter ging die wilde Fahrt zurück ins Docks zu Maplewood. Der Gang zurück auf die Reeperbahn lohnte sich aber nicht wirklich, denn erneut war es etwas langweilig, was die vier Mannen um Nada Surf Mitglied Ira Elliot lieferten. In einem kleineren, intimeren Club wäre es sicher besser gewesen.

So ging es wieder schnell weiter, diesmal ins Uebel und Gefährlich zu Reverend and the Makers. Hier war es nicht langweilig. Der sehr von sich übberzeugte Sheffielder spielte unterstützt von seinen Makers ein wunderbares, vor allem tanzbares Set. Das ist elektroangehauchter britischer Indie-Rock. „Reverend“ Jon McClure lockte das Publikum mit seinem Engagement aus der Reserve und wurde frenetisch bejubelt. Am Ende rief uns der Reverend dazu auf, ihm nach draußen zu folgen. Hier folgte auf dem Parkplatz ein kleines Akustik-Set solo – sicherlich der Kult-Moment des Reeperbahnfestivals. Vor allem die Engländer im Publikum waren begeistert und einige von ihnen den Tränen nahe. Reverend and the Makers sind auf der Insel durchaus eine Größe, zwei Nummer Eins Hits und politisches Engagement des Sängers hinterlassen bei der Masse durchaus ihre Spuren.



Den Gang nach draußen bezahlten wir mit Warterei in einer kaum vorankommenden Schlange zurück ins Uebel und Gefährlich zwischen einigen nörgelnden Menschen. Diesen hatten den Fehler gemacht, sich ausschließlich die bekanntesten Bands ausgeguckt zu haben und waren kaum irgendwo reingekommen – man beachte, an diesem Abend hatten soeben Deichkind in der Großen Freiheit gespielt. Wir kamen dann aber doch noch rein, im Club spielten bereits seit einigen Minuten Who Made Who. Die drei Dänen machten dort weiter wo Reverend McLure aufgehört hatte – mit sehr tanzbarer Gitarren-Elektro-Musik. Böse Zungen könnten sagen, das ist Deichkind, aber mit englischen Texten. Ich höre so was jedenfalls nicht zu Hause, doch live ist das wirklich ein großer Spaß. Einfach nur tanzen. Zum Schluss fällt der Strom für die Instrumente aus, stattdessen wird kurzerhand das Publikum zum Tanzen auf die Bühne eingeladen und es gibt ein reines Gesangs-Schlagzeug Stück. Danach tat es gut, wieder raus an die frische Luft zu kommen.

Freitag, 25. September 2009

Reeperbahnfestival 09 - Tag Eins

Zum zweiten mal innerhalb von zwei Monaten besuchte ich Hamburg. Erneut war ein Musikfestival der Grund des Besuchs. Nach dem Dockville im August stand im September das Reeperbahnfestival auf den Programm.

An drei Tagen treten neben international Bekannten Bands à la Editors, Dinosaur Jr. oder Deichkind vor allem junge aufstrebende Bands in denerschiedenen Clubs der Repperbahn auf.

Für uns begann das Festival am Donnerstagabend im Impereal Theater, wo normalerwesie keine Konzerte stattfinden. Hier trat Berry auf eine französische Sängerin, die musikalisch etwas an Carla Bruni erinnert. Die hübsche junge Dame brachte mit ihrem durchsichtigen Top mit tiefen Auschnitt und ihren netten Liedchen sicherlich einige norddeutsche Männerherzen zum schmelzen. Meines zwar nicht, trotzdem war es ein nettes Konzert.

Wir zogen weiter in (Zitat Pierre) Deutschlands schönsten Club, die Prinzenbar. Als wir ankamen spielte die norwegische Band Washington auch schon. Sie hätten ihrer Musik nach durchaus aus Portland, Oregon kommen können. Wunderbaren folkig angehauchten Rock mit einer Prise Pathos. Ein wunderschönes Konzert. Sicherlich eines der Höhepunkte des Wochenendes.

Sofort danach ging es weiter ins Docks zu Biffy Clyro. Die drei Schotten sind musikalisch nicht eindeutig zuzuordnen. Indie,(college-)Rock, Metal, Prog, Emo, von allem etwas dabei. Das relativ junge Publikum, das sich eingefunden hatte, war sehr textsicher und pogte sogar ein wenig. Große Dichter sind sie allerdings nicht, denn sie greifen doch sehr oft auf oooooh oooooh lalala Passagen zurück. Gute Musiker sind sie aber allemal.

Danach wollten wir eigentlich ins Molotow um uns Future of the Left anzuschauen, da es im Club aber so heiß war, gingen wir nach kurzer Zeit schon wieder zurück ins Impereal Theater. Eine relativ große Menschenmenge wartete davor und wir befürchteten schon nicht mehr reinzukommen.

Nach kurzen warten und drängeln waren wir auch schon drin um uns Au revoir Simone anzuschauen. Die drei Damen aus New York spielten auf Keyboard, Synthies und anderen elektronischen Tasteninstrumenten gemütliche Elektro-Musik. Die drei jungen Damen verspühten einen gewissen alternativen Indie-Hippie Charme und hatten sichtlich ihren Spaß. Doch etwas müde traten wir den Heimweg, gezwungernermaßen zu Fuß, an.

Donnerstag, 20. August 2009

Dockville Festival 09

Ein wunderbares Festival – erfrischend unkommerziell und direkt bei Hamburg, man kann also zu Hause schlafen. Ein großer Vorteil. Leider fehlt mir die Zeit, um detailliert davon zu berichten, deshalb hier nur mein persönlicher Timetable.

Freitag:

Hjaltalín – auf halbem Weg zwischen Arcade Fire und Sigur Rós. Schade, dass noch so wenig los war zu dieser frühen Zeit.

Herrenmagazin – wohl zu viel mit Tomte auf Tour gewesen. Große Labersäcke, doch musikalisch gute Band.

Patrick Wolf – das anderswo aufgeschnappte „die neue Madonna“ trifft es wohl ganz gut. Eine sehens- und hörenswerte Darbietung.

Super700 – Wunderbar stimmungsvolles Set der Berliner auf der Hallenbühne.

Turbonegro – Irgendwie klingen die Songs doch alle gleich.

Mediengruppe Telekommander – Diese machen super Stimmung, ein guter Abschluss des ersten Tages.

Sehr lustiger Heimweg, denn die Turbojugend machte in Bus und S-Bahn Stimmung.


Samstag:

Wintersleep – Wieder ein wunderbarer stimmungsvoller Start in den Tag.

Good Shoes – Eine junge britische Indie-Rock Band wie es von ihnen wohl dutzende gibt.

Element of Crime – ROMANTIK! Vielen Dank, Ihr lieben.

The Whitest Boy Alive – Der musikalische Höhepunkt des Festivals. Super Musik von Supernerds.

MGMT – Ein wenig enttäuschend, der Funke ist nicht richtig übergesprungen. Tolle aktion: Kids mit Wilhelmsburger Problemkids auf der Bühne.

Metronomy – Für mich die positive Überraschung des Festivals. Electro-Dance-Gitarrenpop vom feinsten.

Heiß, staubig, voll, anstrengend, doch unheimlich lohnenswert.


Sonntag:

Etwas schwerer, sich heute zu motivieren nach de Strapazen des Vortages, doch es lohnte sich, sich aufzuraffen, denn:

William Fitzsimmons – ruhiges vom Singer-Songwriter, perfekt zur Katerstimmung vom Sonnntag achmittag.

Dan le Sac vs. Scroobius Pip – Super Britenrap, man stelle sich Eddie Argos (Art Brut) als Hip-Hopper vor.

Poetry-Slam Finale – gewagt, aber ein Erfolg auf der großen Bühne.

Black Lips – die Eigenbezeichnung Flower-Punk trifft es ganz gut. Hat was von Beatles und Beach Boys, doch auch die punkige Attitüde.

KettCar – Ein abslolutes Hammerkonzert der Hamburger, mit Schwerpunkt auf den älteren Songs, Streichern und Heimspielstimmung.

Photographische Eindrücke gibt es hier.

Mittwoch, 12. August 2009

Maxïmo Park im Stadtpark

Inzwischen hat sich mein Gemüt wieder beruhigt, doch die Begeisterung hat ein wenig gebraucht, um sich zu legen, nachdem ich letzte Woche Maxïmo Park beim Stadtpark Open Air in Hamburg erleben durfte. Was will man sagen, dass ist einfach eine absolut geile Band. Von den aktuellen Vorderleuten des britischen Indie-Rock sind die fünf aus Newcastle wohl die einzigen, die das Kunststück vollbracht haben, drei Alben mit ausschließlich hochwertigen Songs hinzulegen. Das merkt man auch beim Konzert: vom Betreten der Bühne bis zur letzen Note 75 Minuten später gibt es keinen Durchhänger. Sänger Paul Smith ist einfach eine geile Sau und gibt vollen Einsatz. Des türkise Sakkos und der Sonnenbrille, die er Anfangs trägt, entledigt er sich schnell, auch so werden das Hemd und Haare unterm Hut komplett durchgeschwitzt. Kompliment für die Kondition!

Das Publikum war im Übrigen erstaunlich textfest, viele sangen alle Lieder komplett mit, die bekanntesten Songs wurden von einem Chor begleitet. Allerdings fand ich das absolut nicht störend, im Gegenteil. Der Schwerpunkt des Konzerts lag auf dem Debütalbum A Certain Trigger (fast alle Stücke gespielt – sogar die ruhigere Nummer Akrobat als Zugabe) und dem neuesten Werk Quicken The Heart. Album Nummer zwei gerät dabei ein wenig in den Hintergrund, die drei Singles daraus gibt es jedoch immerhin. Aus dem hochwertigen Set ragen drei absolute Höhepunkte hervor: „The Kids Are Sick Again“, „Apply Some Pressure“ und, ja, „Books from Boxes“. Ein Must See Act!

Die Vorband soll an dieser Stelle auch nicht zu kurz kommen. Im Vorfeld hatte ich mich schon sehr auf die Maccabees gefreut, deren beide Alben ebenfalls ganz oben auf meiner Playlist stehen. Deren gutgelaunten Popsongs mit einem gewissen Pathos sind eine seht schöne Angelegenheit. So ganz hat das an diesem sonnigen Vorabend auf der Bühne nicht gezündet – auch weil der Sänger ein wenig lustlos wirkte. Ich meine aber, dass das seine allgemeine Art ist. Ich würde den Maccabees gerne im in intimerer Club-Athmosphäre noch einmal eine Chance geben, dafür mag ich deren Musik zu sehr. Ein schönes Warmup war es dennoch.

Die Bilder des Stadtpark-Konzerts hab ich hier geklaut.

Dienstag, 28. Juli 2009

Herman Düne

Mitten im Konzertsommerloch plötzlich ein kleines Konzerthighlight. Während man in diesen Sommermonaten vergeblich auf gute Clubkonzerte wartet (zu Recht – in potentiell vorhandener Sommerhitze macht ein Konzert im muffigen Club auch wenig Spaß), gab es letztes Wochenende doch ein kleines Zwischenhoch im Knust. Herman Düne kamen vorbei. Auch das Wetter spielte mit, es war eher frisch an diesem Abend – ausnahmsweise mal eine gute Sache.

Herman Düne ist eine unheimlich produktive Band aus Frankreich (!), deren Kern ursprünglich aus den Brüdern David-Ivar (auch: JJ) Herman Düne und André Herman Düne bestand. Letzterer hat aber inzwischen die Band verlassen und wurde durch den Schweizer Neman Herman Düne am Schlagzeug ersetzt. Unheimlich produktiv ist die Band, weil sie seit 2000 neun Alben herausgebracht hat, zudem mehrere EPs und zahlreiche Alben mit Nebenprojekten. Dieses erstaunlich große Werk hatte ich gar nicht richtig auf dem Schirm, als ich mich ins Knust begab und erwartete die übliche gute Stunde Musik, die man bei so einem Clubkonzert üblicherweise von der Hauptband serviert bekommt (vor allem bei einem abendkassenpreis von € 15,-). Das war falsch gedacht: es gab zwar keine Vorband, dafür spielten Herman Düne in über zwei Stunden ein famoses Konzert.

Aber fangen wir von vorne an. Die Musik von Herman Düne ist Folk, die Band wird gerne dem Genre Anti-Folk zugeordnet. Dies trägt ihrer Eigenschaft Rechnung, das Genre nicht allzu ernst zu nehmen und vor allem Ihren Texten – viele sind Liebeslieder – eine Prise Humor und Ironie einzustreuen. Herman Düne klingen musikalisch, als kämen sie direkt aus den USA, wenn man jedoch weiß, dass David Franzose ist, erklärt dies die manchmal ungewohnte Betonung mancher Phrasen. Unterstützt werden die beiden Kernmitglieder von Herman Düne vom Bassisten Ben Pleng.

Auf Platte plätschert die Musik teilweise ein wenig vor sich hin, sehr folkig halt. Live ist Herman Düne jedoch super. Es geht los mit zwei Akustiknummern von David alleine, dann kommen die beiden anderen hinzu. Es fällt auf, dass jedes Stück auf der Bühne in einem anderen Arrangement gespielt wird als auf den Alben – kein Wunder, denn dort wird auch gerne auf weibliche Gesangparts und Bläser zurückgegriffen. Das meiste wird auch etwas flotter gesielt. Es gibt Stücke aus dem ganzen Werk, auch ein paar neue Sachen (die letzte Platte ist ja immerhin bald schon ein dreiviertel Jahr alt). Die drei sind perfekt eingespielt, auf dem Schlagzeug werden bevorzugt die Toms genutzt. Der Bass hat eine prominente Rolle und trägt deutlich mehr zur Melodie bei als die üblichen Bassläufe. Dazwischen gibt es ausgedehnte Soli, doch auch mal leisere Töne. In der Mitte des Sets wird dann die Akustikgitarre gegen eine elektrische getauscht, gerade die Soli erhalten nun eine andere, etwas rockigere Qualität. Auch menschlich wirken die drei sehr sympathisch. Insgesamt sieht man ihnen den Spaß am Spielen an. Sonst hätten sie es auch keine 135 Minuten auf der Bühne aufgehalten. Davon war keine einzige langweilig. Schon wieder eine Band, die ich mir bei ihrem nächsten Besuch in Hamburg nicht entgehen lassen werde.

Von Herman Düne gibt es ein nettes Concert à Emporter von La Blogothhèque:


Mittwoch, 15. Juli 2009

Verregnet, kalt, doch trotzdem lohnenswert – Das Fest van Cleef in Northeim

Das Grand Hotel van Cleef ist ein Hamburger Musiklabel, das im Umfeld der beiden Indie-bands Tomte und KettCar entstanden ist. Letztere sind nicht nur die Zugpferde des Labels, deren Köpfe Thees Ullmann und Markus Wiebusch führen dieses auch und geben einigen sehr hörenswerten deutschen und internationalen Künstlern eine musikalische Heimat.

Jeden Sommer veranstaltet das Grand Hotel van Cleef in zwei bis drei deutschen Städten ein kleines Musikfestival, wo labeleigene und befreundete Musiker auftreten. In diesem Jahr fand die Veranstaltung in Essen, Freiburg und Northeim statt. Northeim ist eine kleine Stadt in der Nähe von Göttingen mit einer malerischen Waldbühne. Da ich so angenehme Dinge verbinden konnte fuhr ich also nach Northeim zum Fest van Cleef, um im Anschluss das Wochenende bei einer guten Freundin in Göttingen ausklingen zu lassen. Da ich an diesem Freitag auch arbeiten musste, verpasste ich leider die ersten drei, sicherlich auch sehr lohnenswerten Bands des Festivals, Gysbert von Knyphausen, Muff Potter und die Kilians (leider leider). Da dieser Tag jedoch auch von Dauerregen geprägt war, hatte ich durch meine etwas verspätete Ankunft an der Waldbühne sehr wertzuschätzenden Trockenheitsvorsprung gegenüber meinen Mitkonzertbesuchern.

Für mich begann der Konzertabend also mit den Kaliforniern von Why?, um Last FM zu zitieren eine „Hip-Hop und Indierock Band“. In der Tat sind die vier jungen Männer musikalisch schwer einzuordnen. Es handelt sich dabei tatsächlich eher um Sprechgesang, der von relativ psychedelischer Rockmusik begleitet wird. Interessant ist auch, dass das Drumset zwischen dem Sänger Yoni Wolf und dem eigentlichen Schlagzeuger aufgeteilt ist, wobei letzterer teilweise zusätzlich ein Vibraphopn bedient. Live hat die Musik etwas mehr Pepp als auf Platte, sodass dieses Konzert trotz des Regens Spaß machte. Das ist keine Musik, die man beim ersten Hören liebt. Doch hat man sich erstmal rein gefunden: super!

Danach ziehen wir uns für eine Currywurst unter die Bäume zurück (bringt allerdings keinen großen Schutz vor dem Regen), von wo wir auch das beginnende Konzert von Tomte verfolgen. Die intellektuell angehauchte Band von Thees Ullmann – eines der beiden Flagschiffe des GHvC-Labels – braucht man nicht mehr vorstellen. Tomte hat vor allem unter Indie-Nerds viele sehr treue Fans. Ich finde jedoch, dass die Band ein wenig überschätzt wird. Thees Ullmann ist ein ziemlicher Schwätzer (wobei er sich heute zurückhielt) und ich finde die Musik ein wenig langweilig. Dennoch sind ein paar ganz gut rockende Stücke dabei, als wir uns auch näher an die Bühne bewegt hatten, konnte man dazu ganz gut gegen Kälte und Nässe antanzen. Trotzdem, ein großer Tomte-Fan werde ich wohl nicht mehr.

Im Wesentlichen waren wir jedoch ohnehin für die Headliner des Abends gekommen: Element of Crime. Die Altmeister des deutschen Singer-Songwritertums mit inntellektuellem Anspruch um Frontmann und Trompeter Sven Regener waren an diesem Abend in Hochform. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen, sodass man sich voll dem Genuss der Texte und Weisheiten Herrn Regeners hingeben konnte. Ich bin kein großer Element of Crime Kenner und noch in der Entdeckungsphase, doch ich muss sagen, dass ich an diesem Abend sofort zum Fan wurde. Die Kombination aus Zynismus, Ironie und Witz – das ganze exquisit musikalisch untermalt – ist in der aktuellen deutschsprachigen Popmusik unerreicht. Das – vermutlich aufgrund der Wetterverhältnisse – nicht außerordentlich zahlreich erschienene Publikum war angetan, jubelte angemessen und wurde dafür auch mit drei Zugabenrunden gelobt. Wie schön, dass ich Element of Crime in einem Monat beim Dockville Festival wieder sehen werde!