Dienstag, 21. September 2010

Zum Ausklang des Wochenendes - Delta Spirit im Molotow

In Hamburg fühlt es sich derzeit an, als sei schon seit Wochen Herbst. Gerade an Wochenenden will man sich deshalb am liebsten in seiner Wohnung verkriechen und sich unter der Kuscheldecke verstecken. Nur ein gutes Konzert kann einen noch aus der Reserve locken. In diesem Fall Delta Spirit, die mit ihrem Country-Rock aus Kalifornien doch noch ein wenig Wäre in das graue Wochenende bringen.

Sonntag, 12. September 2010

So schön kann Pop sein: Stars im Knust

Es gibt Musik, der kann man einfach das Attribut schön erteilen. Das gilt besonders für das künstlerische Schaffen der Stars aus Montreal, denen das Kunststück gelingt, ein Album nach dem anderen hervorzubringen, das jeweils besser als das Vorgängerwerk ist. Die Tour, auf der das letzte Werk der Band The Five Ghosts bespielt wird, führte die Kanadier auch nach Hamburg, sodass ich endlich Stars einmal live erleben konnte.

Was soll man sagen, es ist wunderbar. Der sanfte Gesang von Amy Millan und Torquil Campbell harmoniert wunderbar und passt perfekt zur unaufgeregten Musik. Stars beherrschen die Kunst der sanften Steigerung und kitzeln mit ihren Stücken die Emotionen aus dem Publikum. Zudem ist das ganze sehr geschmackvoll: die Bühne ist mit Blumen dekoriert, die im Laufe des Sets nach und nach ins Publikum geschleudert werden. Die Band ist an diesem Abend gut aufgelegt und interpretiert die Zurückhaltung des Publikums richtig als stilles Genießertum. Stars sind nicht die ersten, die das angesichts zahlreicher Songs der eher ruhigen Art zu schätzen wissen. Man ist denn auch überwältigt von der Live-Qualität der Band. Bei jedem Song denke ich, „ach,wie schön, das Lied gibt es ja auch noch“ und freue mich, das zu hören.

Das über eineinhalbstündige Set ist nicht nur kurzweilig, es ist genau das richtige, um zum Wochenende den Kopf frei zu bekommen und außer der Musik alles zu vergessen. Schon jetzt kann ich sagen, das ist eines der Konzerte des Jahres. Stars, kommt bald wieder!

Quelle für Foto: Flickr

Donnerstag, 9. September 2010

Skurril und gut - Eels in der Großen Freiheit 36

Wenige Worte, da mir dazu die zeit fehlt. Dennoch soll mein Besuch beim Eels.Konzert in der Großen Freiheit 36 an dieser stelle dokumentiert werden.

Das folgende Video von der Vorstellunf der Band durch ihren Kopf E vermittelt einen ganz guten Eindruck eines erstaunlichen Konzerts, das ich ganz anders erwartet hätte:


Vom selben Youtube-User gibt es auch noch ein weiteres Video vom Song Souljacker, das stellvertetend für das sehr rockige Set steht:


Donnerstag, 2. September 2010

Kaum zu toppen – Arcade Fire live im Tempodrom Berlin

Quelle für Foto: Flickr

Ich bleibe dabei: Arcade Fire ist die beste Liveband, die ich kenne. Ich habe noch keine andere Band erlebt, die mich bei einem Konzert auf diese Weise anspricht. Es stimmt einfach alles: die Musik, die Emotionen, die Stimmung, die Show. Und man zehrt danach noch lange von der Begeisterung.

Erstmals bin ich extra für ein Konzert nach Berlin gefahren, noch dazu unter der Woche. Pünktlich um 19 Uhr kam ich am Tempodrom an, das Schlangestehen blieb mir erspart, da meine Begleitungen in perfektem Timing zu diesem Zeitpunkt genau den Eingang erreicht hatte. Alle waren so freudig erregt wie ich.

Als Vorband fungiert auf dieser Tour passenderweise Owen Pallett, seit jeher Arrangeur der Streicherparts für Arcade Fire. Der gefeierte Produzent ist auch ein ambitionierter Musiker, der auf der Bühne demonstriert, dass man mit Hilfe von Loops auch alleine mit einer Geige durchaus ein Konzert geben kann, bei dem mehr als gefiedelt wird. Owen Pallett hat mir an diesem Abend deutlich besser gefallen als vor ein paar Monaten im Uebel&Gefährlich, wo er gemeinsam mit einem Drummer aufgetreten war. Seine Musik ist zwar nicht jedermanns Sache, passte jedoch heute Abend sehr gut, wie ich fand.

Um kurz nach neun war es dann soweit. Arcade Fire eröffeten – nicht wirklich überraschend – ihr Set mit „Ready to Start“, eines der besten Stücke des sensationellen neuen Albums The Suburbs. Ich bekomme damit gleich zu Beginn zum ersten Mal Gänsehaut, was sich im Laufe des Konzerts ein paar Mal wiederholen wird. Es folgt ein famoses Set mit fast nur Höhepunkten. Die Stücke von The Suburbs machen sich auch live sehr gut, allerdings sind meine persönlichen Favoriten weiterhin die Songs des ersten Albums Funeral, insbesondere „Neighbourhood #1 (Tunnels)“ und „Rebellion (Lies)“. Fast vergessen hatte ich, wie toll „No Cars Go“ bei Konzerten ist. Außerdem besonders gut: „Intervention“, „Keep the Car Running“, „We Used to Wait“, „Sprawl II“ und natürlich die letzte Zugabe „Wake Up“, in den USA ja inzwischen ein absoluter Megahit.

Wie nicht anders zu erwarten verausgaben sich die Mitglieder von Arcade Fire auf der Bühne komplett, was vom Pulikum sehr geschätzt wird, das der Band ohnehin zu Füßen liegt. Die 9 Musiker (die achtköpfige Live-Besetzung plus Owen Pallett) wechseln zwischen den Stücken munter die Instrumente. Untermalt wird das ganze durch sehr ästhetische Visuals passend zur The Suburbs Thematik.

Quelle für Foto: Flickr
Wie immer ist das schönste bei Arcade Fire Konzerten das Mitsingen bei den vielen „uhuhuhs“ und „ahahahs“. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als bei „Tunnels“ mitten in der mitsummenden Menge zu stehen. Als das Konzert nach neunzig Minuten vorbei ist gibt es nur einen kleinen Wermutstropfen, da „Neighbouhood #2 (Laika)“ und „Rococo“ nicht gespielt wurden. Aber angesichts eines so guten Konzerts kann man das verkraften.

Hier die Setlist:

Sonntag, 29. August 2010

Konzertbesuch aus Nostalgie – We Are Scientists im Knust

In der letzten Ausgabe des Musikexpress gibt es eine durchaus lesenswerte Betrachtungvon Albert Koch zum Thema Indie. Darin wird unter anderem der Zustand beklagt, dass es vielen der zurecht hochgelobten Indiebands des Ausnahmejarhgangs 2005 nicht gelungen ist, gute zweite Alben zu veröffentlichen und ihr musikalisches Schaffen seither darin besteht, schlechtere Kopien ihres Debütalbums zu produzieren. We Are Scientists werden zwar in diesem Artikel nicht genannt, doch auch sie kann man durchaus zur Liste von Indiebands zählen, auf die diese Feststellung zutrifft (hingegen stimme ich nicht bei allen im Artikel genannten zu).

Quelle für Foto: rocco blues

Nichtsdestotrotz konnte ich nicht widerstehen, als ich sah, dass We Are Scientists auf ihrer Tour auch in Hamburg halt machen sollten. Auch wenn ich von deren aktuellen Album Barbara nicht wirklich überzeugt bin sind mir die vielen guten Songs vom 2005er Werk With Love And Squalor noch so sehr in in Herz und Gedächtnis eingebrannt, dass ich die Band vermutlich immer mögen werde.

Ich habe es auch nicht bereut, zum Konzert gegangen zu sein. Zum einen werden stets alle Tanzbodenhits des Erstlingswerks gespielt. Zum anderen sind ja auch auf den beiden anderen Alben gute tanzbare Stücke dabei, die für sehr gute Stimmung im gut gefüllten Knust sorgen. Zudem sind die beiden Köpfe der Band, Keith Murray und Chris Cain, bestens aufgelegt. Sie könnten gemeinsam sicherlich auch gut als Comedians auftreten und werfen sich zwischen den Songs nur gegenseitig Sprüche an die Köpfe. Als dann auch noch ein als Chris Cain verkleideter Fan im Publikum identifiziert wird, gibt es kein halten mehr. Der Junge wird auf die Bühne geholt und bekommt seine 15 Minuten Ruhm, ohne jedoch dass es irgendwie in peinlicher Zurschaustellung enden würde.

Fazit: Aus Nostalgie hingegangen, überzeugt wieder rausgekommen. We Are Scientists lohnen sich noch immer.

Freitag, 27. August 2010

Same Place, Same Great Concert: Jamie Cullum im Stadtpark Hamburg

Es gibt bestimmte Künstler, zu denen man eine besondere Beziehung hat. Eher zufällig bin ich vor einige Jahren in Toronto auf ein kleines Konzert in einem Jazzclub aufmerksam geworden. Es trat Jamie Cullum auf und beeindruckte mich bereits damals durch die Energie, mit der er seine Musik auf der Bühne darbot. Seither verfolge ich das musikalische Schaffen des britischen Pianisten sehr aufmerksam.

Über zwei Jahre später, Jamie Cullum war inzwischen ein aufstrebender Popstar, ging ich gemeinsam mit Almuth, die auch schon in Toronto dabei gewesen war, zu einem Jamie Cullum Konzert in den Hamburger Stadtpark. Wieder waren wir begeistert. So ist es kein Wunder, dass wir uns vier Jahre später am selben Ort wiederfanden, um hier wieder einem Konzert des inzwischen dreißigjährigen Briten beizuwohnen.

Mit seinem poppigen Jazz (oder jazzigen Pop, je nach Blickwinkel) hat Jamie Cullum sich ein sehr breites Publikum erspielt und wird auch gerne von den Dudelfunkradios der Republik gespielt. Auf der Bühne jedoch wirkt er noch immer so authentisch wie im kleinen Jazzclub von Toronto. Man nimmt ihm ernsthaft ab, dass er sehr viel Vergnügen am Musikmachen hat. Wenn sich das dadurch ausdrückt, dass Jamie Cullum auf der Bühne rumturnt, auf sein Klavier springt und dabei auch noch gute Musik macht, umso besser. All seine Kritiker, die bemängeln, er habe sich dem Pop verkauft, sollten sich eines seiner Konzerte anschauen. Hier ist der Jazzmusiker noch klar erkennbar. Kaum ein Stück kommt ohne Soli aus, die Begleitband ist beeindruckend gut. Der heimliche Star des Abends ist der Bassist, der mit einem atemberaubenden Solo das Publikum zum Staunen bringt.

Das alles lässt den immer wieder beginnenden Regen vergessen. Ganz natürlich wird das Konzert mit „Singing in the Rain“ begonnen. Jamie Cullum spielt weiterhin viele seiner älteren Stücke und auch einige Coverversionen, die schon seit den Anfängen im Repertoire des Sängers sind, darunter „I Get A Kick“ und das sagenhafte Radiohead-Cover „High And Dry“. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Ich hoffe, dass es nicht vier Jahre dauert bis zum nächsten Jamie Cullum Konzertbesuch.

Kleine Ergänzung: die Kritik auf Welt.de

Fotostrecke bei Radio Hamburg.

Montag, 23. August 2010

Broken Bells im Uebel&Gefährlich

Am Montag Abend nach einem Wochenende auf einem Musikfestival, nach einem ganz normalen Tag im Büro, will man es sich eigentlich nur zu Hause gemütlich machen und seine Batterien aufladen. Leider hatten sich jedoch Broken Bells ausgerechnet diesen Termin für ein Konzert in Hamburg ausgesucht. Da man sich so etwas schlecht entgehen lassen kann, blieb uns nichts anderes übrig, als uns ins Uebel&Gefährlich zu begeben.

Hier wurden wir zunächst von einer sehr bemerkenswerten Vorband überrascht. Sizarr, für mich wie auch vermutlich für 99% des Publikums ein noch komplett unbeschriebenes Blatt, haben ihre Zuhörer völlig in ihren Bann gezogen und zu wahren Jubelstürmen animiert. Die drei Jungs aus der Kurpfalz haben noch kein Album veröffentlicht, sie wollen damit abwarten, bis sie im nächsten Jahr (!) ihr Abitur (!) hinter sich haben. Dennoch spielen die drei ein perfekt sitzendes Set. Der Sound erinnert streckenweise an die Maccabies, insgesamt ist er aber vielschichtiger. Sizarr fahren mit einem beeindruckenden Arsenal von unterschiedlichen Synthesizern und digitalen Gerätschaften auf, die bestens eingesetzt werden und die Grundlage für die Musik bilden, ohne dass diese rein elektronsicher Natur wäre. Ich bin jetzt Fan und bin überzeugt, dass Sizarr zumindest in Deutschland in Zukunft noch für ein wenig Wirbel sorgen werden. Hier gibt es den Song "Fake Foxes" als Stream oder als Download.

Broken Bells ist das gemeinsame Projekt von James Mercer (The Shins) und Brian Burton (besser bekannt als Danger Mouse von Gnarls Barkley und einer der derzeit bedeutendsten Musikproduzenten). Die Musik ist eher ruhig, doch extrem vielschichtig. Live treten die beiden mit einer fünfköpfigen Begleitband auf, Danger Mouse sitzt meist am Schlagzeug und ist einer der coolsten Musiker, die ich bisher gesehen habe. Untermalt von einer Videoshow werden die Songs vom Album Broken Bells dargeboten, sowie eine B-Seite und der Song aus der Kooperation für Dark Night of the Soul, dem Album von Danger Mouse und Sparklehorse. Auch hier wird das Publikum zu sehr Hamburg-untypischen Begeisterungsstürmen bewegt, kein wunder, denn es ist ein grandioses Konzert. Trotz Übermüdung und Rückenschmerzen verlässt man an den Club an diesem Abend beseelt von der Musik und glücklich, dass man dies erleben durfte.

Toll übrigens auch dieser Videoclip mit Christina Hendricks, besser bekannt als Joan Holloway aus Mad Men.