Dienstag, 7. Oktober 2008

The Toasters

Während meines dreiwöchigen Aufenthalts in Freiburg kam ich immerhin ein mal dazu ein Konzert zu besuchen. Im Jazzhaus spielten the Toasters, Ska Legenden aus New York, das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wie es sich für arrogante Konzertgänger gehört kamen war die Vorband fast rum als wir ankamen.

Das was wir hörten war anständiger Ska-Punk. Im nachhinein stellten sich die Bandmitglieder aber als sehr nett und lustig heraus. Etwas überrascht war ich aber vom sehr geringen Andrang, es hätten locker doppelt sie viele Leute ins Jazzhaus gepasst. Der Stimmung hat das ganze aber nicht geschadet, denn von Anfang an tobte das relativ junge Publikum. Die Bandmitglieder hatten sichtlich ihren Spaß und sahen irgendwie alle aus wie alte Trucker. Es ist übrigens sehr interessant ein Konzertpublikum zu beobachten, Ska-Publikum zum Beispiel tanzt sehr enthusiastisch und raumgreifend ist aber im Vergleich zu Punk nicht auf das Rammen des Nachbarn aus, es ist also ein friedliches Nebeneinander tanzen.

Nach einer guten Stunde wars das leider schon mit dem Konzert. Auf dem Heimweg musste ich aber noch beim billigen Merchandise Stand zugreifen.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Disco Ensemble

Von unserer Gastreporterin, die sich auf eine Festanstellung bewirbt:
Am 4. Oktober war ich also am Konzert von Disco Ensemble in der Biomill in Laufen (CH). Biomill.... hat sich für mich zunächst angehört wie Recyclinghof. Ist aber ein altes Fabrikgebäude, ein bisschen ausserhalb von Laufen, direkt an der Bahnlinie. A propos „laufen“: Erst mal mussten wir ca. 25 Minuten Fußweg bis zum Konzert hinter uns bringen. Das erwies sich aber als recht amüsant, da wir plötzlich einen „echten“ Finnen inklusive Landesflagge bei uns hatten. Wenig später stellte sich heraus, dass der gute Junge eigentlich Schweizer ist :D Ich bin aber immer noch beeindruckt davon, wie er trotz all unserer Anschuldigungen an seinem Englisch mit vermeintlich finnischem Akzent festgehalten hat!!

Nun kurz zur Lokalität: Wie schon gesagt, handelt es sich um ein altes Fabrikgebäude. Die Bühne war winzig, die Tanzfläche entsprechend klein, man war also hautnah dran an der Band. Nebenan gab es noch eine Lounge mit Sitzgelegenheiten und Kicker. Alles in allem eine coole Location. Doch was ich vergessen hatte: in der Schweiz darf noch geraucht werden! Dem entsprechend war auch die Luft etwas knapp! So verbrachten wir die Zeit, in der die beiden Vorbands (Lapko und Crash League) spielten in der besser belüfteten Lounge. Zur Musik der beiden Bands kann ich nur sagen: es war laut und rockig! Musik um seine langen Locken durch die Luft zu schleudern.

Dann ging es endlich los. Ich wusste nicht was mich erwarten würde, denn ich hatte bis ein paar Tage vor dem Konzert noch nie etwas von Disco Ensemble gehört. Und ich wurde positiv überrascht, viel mehr war ich auf ganzer Linie begeistert!

Wikipedia sagt: „ Disco Ensemble ist eine Post-Hardcore-Band aus der finnischen Stadt Pori, die auch mit Punkrock bzw. Indierock in Verbindung gebracht wird.“ Ich sage: Ich hab keine Ahnung in welche Stil-Schublade ich diese Band stecken sollte! Ich kann nur sagen, dass der RocknRoll-Fuß definitiv zum Einsatz kam, genauso wie das Kopfschüttel-Gelenk! Was mich fasziniert hat war die Ausstrahlung der Band, besonders von Sänger Miikka Koivisto und Gitarrist Jussi Ylikoski. Die beiden verstehen es das Publikum zu begeistern und man sieht ihnen richtig an, wie viel Spaß sie auf der Bühne haben. Nach 60 Minuten war der Spaß dann leider auch schon wieder vorbei, es gab 3 Zugaben, dann waren sie weg! Und wer hat nicht die Set-Liste abgegriffen nach dem Konzert?! Vielleicht kann ich sie irgendwann teuer verkaufen...

Mein Fazit: Ein wahnsinnig cooles Konzert in kuschliger, siffiger Undergound-Atmosphäre aus der Kategorie „Der Sänger, die geile Sau“. Ich werde irgendwann noch Fan von Slimfit-Hosen an Männerkörpern, ich habs im Gefühl...

Freitag, 3. Oktober 2008

Reeperbahnfestival 08 - Samstag

Auch den Samstag verbrachten wir eher chillig und entspannt in der Schanze, sodass wir unsere Energie für den Abend aufsparten. Diesen begannen wir, wie am Vortag, wieder in der Großen Freiheit 36. Dort spielte eine der am meisten erwarteten Bands des Festivals, TV on the Radio. Die fünf Brooklyner Musiker ließen einige Zeit auf sich warten, doch die Wartezeit hat sich sehr gelohnt. Der leider etwas kurze Gig wurde mit vollem Einsatz dargeboten. Von unserem Premiumplatz direkt vor der Bühne konnten wir den stark von schwarzer Musik beeinflussten experimentellen Rock von TV on the Radio genießen. Vor allem die neuen Stücke wirken live ziemlich funkig, die musik hat teilweise die Energie von Gospelstücken. Keiner der Musiker kommt zwischendurch je zur Ruhe, auch untypische Mittel werden verwendet. Gitarrist David Sittek kloppt teilweise mit einer Rassel auf seine Gitarrensaiten ein und hat ein Glockenspiel an seinem Instrument hängen. Ein Erlebnis.

Anschließend war uns eher nach einem kleineren Konzert, sodass wir uns in einen der schönsten Clubs Hamburgs begaben, die Prinzenbar. In diesem kleinen stuckgeschmückten Saal spielten gerade noch Wildbirds & Peacedrums. Dieses sehr schön anzusehende junge Ehepaar singt nur begleitet von Schlaginstrumenten. Das ist wunderschön! Schade, dass wir nur noch die letzten Stücke mitbekamen.

Es folgten die Dänen von Men among Animals mit ihrem Sinthie-Gitarrenrock, der zum Abgehen animierte. Zudem gab es mal wieder trashige Kostüme und Bühnendeko mit blinkenden Glühbirnen und Seifenblasen. Das passte alles sehr gut zusammen und auch zu unserem langsam steigenden Bierpegel. Zudem hatte man vor der Bühne schön Platz zum Tanzen, was zusätzlich zur Stimmungsaufhellung beitrug.

Nun zum Tiefunkt des Abends. Es war schon relativ spät und nach einem kleinen Abstecher auf der Kinderparty im Molotov beschlossen wir, uns in Angie's Nightclub einen gepflegten Cocktail zu gönnen und dabei "Angie's Houseband" zu lauschen. Ich kann nur eines sagen: es war ziemlich furchtbar. Erstens wurden alle Lieder (selbstverständlich nur Evergreens) im gleichen routinierten funkigen Groove gespielt, sodass alles gleich klang. Zweitens war dort das klassische Ü30 Publikum unterwegs, die dazu sanft hin- und herwogen und wohl meinten, sie seien bei der Party des Jahres. Mich schüttelte es einfach nur.

Deshalb konnten wir jetzt noch nicht nach Hause, das wäre zu frustrierend gewesen. Nach einem weiteren Abstecher im Molotow (wo das Publikum noch immer so jung war) und auf der Datscha-Party im Golden Pudel Club (deutlich besser) stärkten wir uns noch einmal mit Fischbrötchen vom Fischmarkt, bevor es dann endgültig Zeit war, dem ganzen ein Ende zu setzen und sich ins Bett zu begeben.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Reepernbahnfestival 08 – Freitag

Freitag schliefen wir aus und verbrachten den Tag mit Spaziergängen in Wassernähe, sodass wir fit waren für den Konzertmarathon am Abend. In der Tat hatten wir einiges vor, ich hatte vorab den Freitag als den Tag ausgemacht, an dem die größte Dichte an sehr guten Acts festzustellen war, sodass auch die Entscheidung nicht leicht fiel, was wir anschauen würden.Wir begannen den Abend in der Großen Freiheit 36, wo Peter Licht, der etwas skurrile deutsche Singer Songwriter den Anfang machte. Der Herr, von dem es keine offiziellen Fotos gibt, zieht zu meinem erstaunen ein sehr zahlreiches Publikum an. Ich hätte eher gedacht, das sei mehr was für Nerds. Mal wieder der Beweis, dass ich die Popularität von Musikern absolut nicht einschätzen kann.

Es folgte der aktuelle Held der deutschen Indieszene, Konstantin Gropper mit seiner Band Get Well Soon. Allein die Musik (mit Anklängen an Radiohead und Arcade Fire) macht jedes Konzert dieser Band lohnenswert, doch wie schon bei ihrem Konzert, das ich Anfang des Jahres in Berlin gesehen hatte, fehlt es Herrn Gropper noch immer ein wenig an Bühnenpräsenz. Trotzdem war ich begeistert, gehört doch das Debutalbum Rest Now, Weary Head, You Will Get Well Soon zu meinen absoluten Favoriten dieses Jahres.

Entgegen unserer ursprünglich Pläne blieben wir dann noch in der Großen Freiheit, um uns Portugal.The Man anzusehen. Das war eine meiner persönlichen Entdeckungen des Festivals. Auf Platte war ich von der sehr in Richtung Prog gehenden Musik der Band aus Alaska nicht unbedingt überzeugt, live war ich hingegen sehr angetan. Das geht so richtig ab, man kann sich von den über zehnminütigen Stücken berauschen lassen. Das ist ein wenig wie Muse in weniger massentauglich.

Wir gingen dennoch vor Ende des Sets, da ich unbedingt The Rakes im Uebel & Gefährlich sehen wollte. Wir kamen dort auch gerade rechtzeitig für den Anfang von deren Set an, doch die Mädels verließen den Club gleich wieder, da ws ihnen zu voll war. Ich kämpfte mich jedoch durch in die sehr zivilisierte „Pogo-Zone“, wo man schön Platz hatte und abgesehen von ein bisschen Rumschgeschubse ganz gemütlich dem Konzert lauschen konnte. The Rakes sind noch immer die alten, der energetische und sehr tanzbare Indie-Rock passte an diesem Abend hervorragend und die Stimmung war grandios. Zudem wurde einige neue Stücke gespielt, die Lust auf das nächste Album machen!

Auch nach diesem Konzert war dann keine Zeit für eine Pause, ich überquerte schnell die Straße und zwängte mich in den Bumsvollen Knust. Ich hatte Glück und Bon Iver hatten ihr Set mit deutlicher Verspätung begonnen. So konnte ich zwar nur von weit hinten, aber mit guter Sicht und komplett diesem absoluten Highlight lauschen. Diese Newcomerband aus Wisconsin ist ein Juwel, das kann man nicht anders sagen. Einfach nur schöne, ziemlich folkige Musik, Gesang, der zu großen Teilen im Falsett stattfindet, ich kriege jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das war eindeutig eines der Konzerthöhepunkte des Jahres. Hoffentlich kommt Bon Iver bald wieder nach Deutschland. Bei dem Empfang, der ihnen beim Reeperbahnfestival bereitet wurde, bin ich jedoch guter Dinge. Sie konnten es kaum fassen, wie begeistert das Publikum war und blieben so lange auf der Bühne, bis sie keine eigenen Stücke und Cover mehr hatten, die sie spielen konnten.

Da es dann nicht mehr in Frage kam, ein solches Erlebnis durch irgendeine Indieparty zu zerstören und wir uns nach diesem Konzertmarathon unser Bett verdient hatten, war dann somit auch der zweite Tag schon zu Ende.

Dienstag, 30. September 2008

Reeperbahnfestival 08 – Donnerstag

Diesem musikalischen Highlight fieberte ich bereits seit einiger Zeit entgegen: DAS Clubfestival in Deutschland, das Reeperbahnfestival, fand am Wochenende statt. Hier macht man sich die Besonderheit Hamburgs zum Vorteil. Da nahezu alle Clubs in Hamburg sich „auf dem Kiez“ befinden und man somit problemlos zu Fuß von einem zum anderen gehen kann, spielen auf diesem Festival an drei Tagen insgesamt 141 Bands in knapp 20 Clubs und auf dem Spielbudenplatz spielten.

Anlässlich des Festivals hatte ich Besuch von einer sehr guten Freundin. Da wir beide von Arbeit bzw. Nachzugfahrt nicht voll fit waren, ließen wir es am Donnerstag Abend eher ruhig angehen. Los ging es jedoch mit einer schweißtreibenden Angelegenheit. Wir schauten uns Pete and the Pirates im Molotow an. Da der kleine und schlecht belüftete Club rammelvoll war und die Stimmung gut, lief einem der Schweiß zum gut tanzbaren Indie Pop der jungen Briten aus Reading schnell herunter.

Damit waren wir schon nach der ersten Band recht ausgepowert und beschlossen spontan, in Imperial Theater herüber zu gehen. Dort bekamen wir die letzten Töne der deutschen Band finn. mit. Das ist die wunderbare Band des Singer Songwriters Patrick Zimmer, der aussieht wie ein mittelalterlicher Troubadour. Die vielköpfige Band und deren Musik passten hervorragend auf die Bühne des Theaters, schade, dass wir nur noch wenig mitbekamen.

Ebenso angetan waren wir von den beiden folgenden Darbietungen, beide von Musikern aus Island. In bester isländischer Songwritertradion ist der Sound von Borko eher ruhig und experimentell. Das geht deutlich Richtung Postrock, es gibt relativ wenig Text und kommt mehr auf die Musik als Ganzes an. Live ist das meist – hier auch – beeindruckend und geht unter die Haut. Der Übergang zu Seabear, deren Mitglieder beim letzten Lied von Borko bereits auf die Bühne kamen, war fließend. Auch diese Band hat zahlreiche Mitlglieder und ist musikalisch sehr eklektisch. Das Album The Ghost That Carried Us Away geht eher in Richtung Country und Folk, es werden aber auch orchestralere Stücke dargeboten, wie „Emo-Postrock“ (eigene Bezeichnung der Band) Stücke.

Nach diesen eher ruhigen Stunden wollten wir nicht die Stimmung zerstören und noch zu Madsen herübergehen. Stattdessen ließen wir den Abend gemütlich in Angies Nightclub ausklingen, in dessen gediegene Athmosphäre da sehr ruhige und schöne (aber nach einer Weile auch nicht sonderlich abwechslungsreiche) Gesangspaar mit Gitarre und Cello von Choir of Young Believers exzellent hineinpassten.

Mittwoch, 24. September 2008

The Futureheads

Wenn man eine Band sehr gerne mag, ist man immer ein wenig im Zwiespalt: Einerseits wünscht man ihr, dass sie Erfolg hat und dass andere die Qualität ihrer Musik wahrnehmen. Andererseits freut man sich aber auch, wenn ihre Anziehungskraft nicht allzu groß ist, sodass man ihre Konzerte weiterhin in kleinen Clubs genießen kann. Die Futureheads sind momentan eine meiner absoluten Lieblingsbands und hätten deutlich mehr Anerkennung verdient, als sie diese in Deutschland (immerhin ist die Kritik seit langem begeistert). Da das aber nicht so ist, konnte ich gestern ihr vorzügliches Konzert im halb gefüllten Logo (Fassungsvermögen: 400 Personen) genießen, wie nicht anders zu erwarten der absolute Knaller. Gut, dass ich gegen meine Prinzipien gehandelt hatte, eine Band während der Tourphase zum selben Album nur einmal anzuschauen. Die Futureheads würde ich mir immer wieder antun.

Eine angenehme Überraschung war auch die Vorband, Timid Tiger. Absolut sehens- und hörenswerte Show, die Musik ist 60s inspieriert, erinnert teilweise an die Kaiser Chiefs, die einstellung neigt zum Trash. Müsste man sich mal als Headliner anschauen.

Mittwoch, 10. September 2008

Frsika Viljor

Das ist Partymucke für Indiekids: alkoholisiertes Lalala, schöne Melodien, lustige Band. Das ist Friska Viljor. Ich erlaube mir, einen Bericht des Konzerts in Berlin zu klauen:
"Bravo! Die zwei schwedischen Trunkenbolde sind echt der Hammer. Aber gut, lag auch viel am Publikum, dass komplett (!) ab dem ersten Song abging. Das Konzert war im Festsaal Kreuzberg, ein ziemlich kleiner, aber netter Raum, der jedoch über eine schlechte Belüftung verfügt. Ergo, nach drei Songs waren alle nassgeschwitzt, weil es tierisch heiss war, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat."
Ganz so schnell ließ sich der kühle Hanseat im Publikum des Hamburger Knust nicht begeistern. Am Ende des mit Hits und ein paar Lückenfüllern gespickten Konzerts war jedoch auch hier die menge so begeistert, dass Friska Viljor zu drei Zugabenrunden ermuntert werden konnte, darunter eine letzte, komplett in Einklang mit den Fans gesungene Version des großen Ohrwurms "Shotgun Sister".